Lowlands-L Anniversary Celebration

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About the story
What’s with this “Wren” thing?
   The oldest extant version of the fable we are presenting here appeared in 1913 in the first volume of a two-volume anthology of Low Saxon folktales (Plattdeutsche Volksmärchen “Low German Folktales”) collected by Wilhelm Wisser (1843–1935). Read more ...

Flag: GermanyFlag: Australia Flag: USA Flag: Earth Reinhard ("Ron") Hahn

Ort: Seattle (Dzidzalal’ich), Washington, USA; Fremantle, Westaustralien, Australien; Hamburg (Hamborg), Deutschland

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Literatur: Lowlands-L Gallery

Web-Seiten: Nu is de Welt platt!, Niedersächsische Grammatik, Clara Kramer-Freudenthal vertellt, Werke von Klaus Groth (und das ist nur der Anfang ...)


This text is in German.
[Deutsch]
[English]

Ich glaube, ich habe Sprache niemals als selbstverständlich hingenommen, sie hat mich immer fasziniert – die menschliche Sprache und all die Dinge, die sie berührt, bewegt, überträgt und bestimmt. Bereits in einem sehr frühen Alter war mir bewusst, dass es zahlreiche Varianten und Arten von Sprachen gibt, dass man aufgrund seiner sprachlichen Variante und Art von anderen Menschen kategorisiert wird. Was mich bereits damals besonders faszinierte, war die Tatsache, dass in meiner eigenen Nachbarschaft und sogar in meiner eigenen Familie mehr als eine Sprachvariante benutzt wurde, dass man fähig ist, mehr als eine zu benutzen, dass man im Stande ist, von einer auf die andere umzuschalten.

Es wurde mir bald bewusst, dass ich wegen meiner deutschen Mundart auf gewisse Art und Weise behandelt wurde, besonders von Leuten in anderen, „besseren“ Stadtteilen. Zuerst wusste ich nicht, dass die bei mir zuhause und in der Nachbarschaft gesprochene Mundart eine Art von „Missingsch“ war, eine auf einem Substrat von „Platt“ („Niedersächsisch“ oder „Niederdeutsch“) beruhende deutsche Mundart, die unsere proletarische Zugehörigkeit verriet. (Erst etliche Jahre später lernte ich dank Schulbildung und Medieneinflüssen „richtiges“ Hochdeutsch.)


Alice ẹhr Ẹventüürn in’t Wunnerland, Alice’s Adventures in Wonderland (Alices Abenteuer im Wunderland) auf Platt, 2010
Meine Eltern sprachen beide mehr oder weniger vom Missingsch beeinflusstes Deutsch, mein Vater eine „extremere“ Art, in der es von niedersächsischen Lehnwörtern und -ausdrücken nur so wimmelte, in der Dativ und Akkusativ wie im heutigen Niedersächsischen nicht unterschieden wurden, oder in der sie oft falsch unterschieden wurden. Meine Eltern gehörten zur ersten in Hamburg gebürtigen Generation in unserer Verwandtschaft. Arbeitstellen und Seefahrt hatten ihre Eltern und Großeltern aus östlichen Gebieten des damaligen Deutschlands (heutzutage teilweise Nordpolen und das russisch verwaltete Kaliningrad, d.h. Königsberg) dorthin gelockt, vielleicht sogar die Hoffnung, nach Übersee auswandern zu können. Mein Großvater mütterlicherseits (der als Zivilist bei der Alliiertenbombardierungen der Arbeiterwohnviertel Hamburg-Wilhelmsburgs ums Leben kam), war aus einem vorpommerschen Dorf nach Hamburg gezogen, um von dort aus zur See zu fahren, und er besuchte Nord- und Südamerika. Unsere Vorfahren hatten Heimatgebiete verlassen, in denen sich jahrhundertelang germanische, slawische und baltische Menschen, Sprachen und Kulturen miteinander vermischt hatten. Über derartige Dinge wurde nie direkt gesprochen. Dennoch fing ich an, mich selber darüber zu unterrichten, gedanklich „die Punkte miteinander zu verbinden.“ Allmählich, bereits bevor ich meine Heimat verließ, hatte mein Bewusstsein von sprachlichen und kulturellen Hierarchien und Kontakten Gestalt angenommen und ich erkannte etliche der Probleme, die im Leben von Minderheiten, Einwanderern und kolonisierten Völkern wichtige Rollen spielen.

Mein Vater hatte als junger Mann auf dem Land gearbeitet, und er war in meiner Jugend im Schiffsbau tätig. Somit beherrschte er das Niedersächsische („Niederdeutsche“), die Sprache unserer Vorfahren, die Sprache, die in unserer Gegend vor dem Kommen des Deutschen gesprochen wurde. Manchmal durfte ich ihn bei seinen für Männer der Arbeiterklasse typischen Freizeitbeschäftigungen in vorwiegend niedersächsischsprachigen Milieus begleiten. Ich erinnere mich daran, wie ich die Sprache praktisch in mich aufsog. Ich erlernte sie größtenteils passiv, sozusagen heimlich, später verstärkt durch das Lesen zahlreicher Stapel von niedersächsischsprachiger Literatur. Es stellte sich heraus, dass ich die Sprache ziemlich gut beherrschte, als ich mich Jahrzehnte später entschloss, dieses mir bebührende Erbe in Anspruch zu nehmen und mich dafür einzusetzen.

Ich hatte keinerlei Schwierigkeiten, als wir in der Schule im Rahmen von Heimatkunde pro forma ein paar „niederdeutsche“ Geschichten und Liedchen lernten. Die meisten Lehrer schienen sich daran widerwillig zu beteiligen. Außer für einen von ihnen handelte es sich für sie um eine Fremdsprache, auch für einige meiner Mitschüler. Sie verstanden es kaum und hielten es anscheinend für eine Zeitverschwendung, wohl weil sie diese Meinung von ihren Eltern angenommen hatten. Lange währte die Mitberücksichtigung des „Plattdeutschen“ im Lehrplan nicht, fiel, sobald es finanzielle Problemen gab, als erstes der Budget-Axt zum Opfer. Diese Sprache wurde also für noch unwichtiger gehalten als Kunst und Musik.

Ich erinnere mich daran, wie ich monatelang aufgeregt meiner ersten Englischstunde entgegensah. Ich konnte kaum abwarten, bis auch ich mit dieser vermutlich exotischen Sprache, dem Schlüssel zum Tor der Welt, anfangen durfte. Nach der ersten Stunde kam ich mit einem langen Gesicht heim und berichtete meinen Eltern, dass das Englische wohl ein bisschen überbewertet sei, dass ich den größten Teil davon bereits verstehen könne, dass es irgendwie einer entfernteren „Platt“-Mundart ähnele. Später erfuhr ich, dass meine eilige Bewertung gar nicht so abwegig gewesen war, das die sächsischen Urahnen meines Heimatgebiets viel dazu beigetragen hatten, dass das keltischsprachige Britannien schließlich weitgehend germanischsprachig wurde. Als begründet erwies sich auch meine Vermutung, dass Niedersächsischkenntnisse beim Erlernen des Englischen behilflich seien. Die meisten deutschsprachigen Kinder, die diese Kenntnisse nicht besaßen, schienen es schwerer dabei zu haben. Es stellte sich sogar heraus, dass es sehr nützlich beim Lesen mittelenglischer Texte ist. Es war mir möglich, beim ersten Lesen den Großteil der Originalversion von Chaucers „Canterbury Tales“ zu verstehen, während die meisten von Haus aus Englischsprachigen etliche Wochen und umfangreiche Vokabelverzeichnisse benötigen, um sich lediglich durch die ersten paar Verse zu wühlen. Auch erleichterten mir später meine Niedersächsisch- und Englischkenntnisse das Verstehen von friesischen und skandinavischen Texten.

Einmal hatten Nachbarn von uns während der Sommerferien ein Mädchen aus Schottland zu Gast. Ich probierte an ihm mein noch ziemlich unsicheres Anfänger-Englisch aus. Es schien das Wenige zu verstehen, dass ich holperig zustandebringen konnte, aber wenn es etwas sagte, verstand ich so gut wie nichts. Oha! Wie sonderbar und wunderbar die Sprache dieses Mädchens klang! Eine Zeit lang war ich ganz vernarrt. Ich nehme jetzt an, die Kleine hatte gerade mit dem Übergang vom Schottischen (Scots) zum schottischen Englisch begonnen. Meine Faszination von Schottland hat mich seitdem nicht verlassen.

Bereits in meiner frühen Jugend war mir bewusst gewesen, dass das Niedersächsische eine unterdrückte Sprache ist. Die meisten älteren Leute billigten es nicht, wenn wir Stadtkinder es sprachen, sogar viele derjenigen, deren Muttersprache es war. Man hatte sie davon überzeugt, dass uns die Sprache pädagogisch und wirtschaftlich zurückhalten würde. Sie hatten sich mit der Annahme abgefasst, dass sie im Aussterben begriffen sei (eine Annahme, die es, wie ich später erfuhr, bereits vor Jahrhunderten gegeben hatte). Ich erinnere mich an mein Staunen, als ich niederländische Zeitungen, Schilder und Fernsehprogramme sah. Ich konnte sie größtenteils verstehen, da das Niederländische mit dem Niedersächsischen eng verwandt ist (obgleich sie recht verschieden klingen). Durch diese Begegnungen mit einer „platten“ Sprache, die offiziell, wie jede andere „echte“ Sprache benutzt wird, sogar als Nationalsprache, erreichte ich die Einsicht, dass sich der Status und das Ansehen einer Sprache häufig „zufälligerweise“ aus historischen Ereignissen und politischen Schachzügen ergibt.

Als Teenager begann ich, außerhalb Deutschlands zu reisen (was zu jener Zeit für einen jungen Deutschen nicht immer ein psychologisches Zuckerlecken war, besonders in den Nachbarländern, da antideutsche Einstellungen noch grassierten und sogar uns nach dem Zweiten Weltkrieg Geborene zum Ziel nahmen). Ich besuchte besonders die nordischen Länder und Großbritannien, und meine Kenntnisse des Deutschen, des Niedersächsischen und des Englischen erleichterten es mir, die dortigen Sprachen aufzuschnappen, auch das Niederländische, das Afrikaans und das Jiddische zu erlernen. Als sich meine Aufmerksamkeit dem Isländischen und dem Altnordischen zuwandt, wurde es mir bewusst, dass die skandinavischen Sprachen, die ja vom Altnordischen abstammen, während des mittelalterlichen Handels der Hanse gewaltig von der mittelsächsischen („mittelniederdeutschen“) Sprache meines Heimatlandes beeinflusst, praktisch verwandelt worden waren, als diese noch die internationale Handelssprache der Hanse war. Ich fand es nicht leicht, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass diese im 20. Jahrhundert verachtete, unterdrückte und weitgehend verborgene Sprache einmal sehr geachtet und einflussreich gewesen war.

Mein chinesischer Name: 韓倫Meine Reisen führten mich in immer weitere Fernen, und die Sprachen, die ich lernte, wurden immer „exotischer“. Ich begriff schließlich, dass ich mir bereits in einem sehr frühen Alter die „Sprachenseuche“ geholt hatte. Ich erinnere mich daran, dass ich als kleines Kind manchmal „in Zungen sprach“, indem ich beim Spielen in Fantasiesprachen daherplapperte, Sprachen, die ich selbst nicht verstand ... (Also können sogar kleine Kinder Interessenfreaks sein.) Das Lernen von und über Sprachen, das sich während meines Aufenthalts im vielsprachigen Israel enorm verstärkte, hatte sich in eine Leidenschaft entwickelt, als ich nach Australien auswanderte, wo ich begann, asiatischen Sprachen und Kulturen zu studieren, und von dort aus ging es nach Asien, wo ich reiste und studierte. Vorläufig wohnte das Niedersächsische still in einem meiner verborgenen Geisteskämmerchen. Vielleicht wandte ich mich wegen meiner eigenen sprachlichen Herkunft unbewusst einem Spezialfach zu, dass sich mit Minderheitssprachen befasst, und zwar mit in von China verwalteten Teilen des Zentralasiens gesprochenen Minderheitssprachen, ein Interesse, das ich eine Zeit lang nach meiner Ankunft in den Vereinigten Staaten weiterverfolgte.

Das Menschenleben neigt dazu, zyklisch zu verlaufen, kreisförmig. Bewusst oder unterbewusst treiben wir heimwärts, wenn unser Bewusstsein vom unumgänglichen Schwinden des Lebens, von unserer Sterblichkeit hervortritt. Als mein intellektueller Abstand, meine Bildungsrüstung sich abgenutzt hatte, begann ich eine Selbstentdeckungsreise. Zum nun Begriffenen gehörte die Tatsache, dass ein Großteil des in der Ferne Gelernten auch das Gebiet betrifft, in dem ich geboren und aufgewachsen war. Fast wie in einer meinen Übergang in eine neue Lebens- und Bewusstseinsphase, meine Heimreise, kennzeichnenden Zeremonie, widmete ich mich erneut und praktisch öffentlich dem Niedersächsischen, benutzte es in schöpferischen, vorwiegend lyrischen Werken, von denen bereits etliche veröffentlicht wurden. Ich empfand es sofort als passend, als angemessen und bequem als Selbstausdrucksmittel, denn das authentische Niedersächsische hatte keine Gelegenheit, sich ein vornehmes Stilregister anzueignen, schöne, die Wahrheit abdeckende Gewänder, stilistischen Flaum zum Abdecken der Gefühle. Sobald man versucht ist, die Sprache derartig auszuschmücken, kann man sicher sein, dass man in Versuchung geraten ist, „gelb“ (d.h. hochdeutschartig) zu schreiben. Es handelt sich hier um ein vortreffliches Medium für denjenigen, der literarische Integrität und Abstraktion anstrebt.

Ik snack ok PlattDas Niedersächsische hat inzwischen begonnen, sich wieder zu behaupten, ist in Norddeutschland und in den östlichen Niederlanden offiziell anerkannt worden, und innovative Stile und Genres haben begonnen, die lang stagnierende, größtenteils eng örtlich begrenzte und äußerst zersplitterte literarische Szene etwas aufzufrischen. Die Zeit ist angekommen, in der man handeln muss, nicht nur, um auf die Züge Anderer zu springen, sondern individuell von diesen Gelegenheiten Gebrauch zu machen, während es Anzeichen von zunehmender Aufgeschlossenheit gibt, während der Status Quo, mit dem wir aufwuchsen („ein Land = ein Volksstamm = eine Sprache“), am Zerbröckeln ist, während es noch Menschen gibt, die sich dem Streben, nationale Einheit durch das Abschaffen von Vielfalt zu erlangen, entgegenstellen und ihm ein Ende bereiten wollen.

Inzwischen ist das Internet entwickelt worden, und dies hat es mir ermöglicht, mit Menschen in Verbindung zu treten, mit denen ich Interessen teile, auch mit Menschen, die sich mit nah verwandten Sprachen und Kulturen befassen. Der Niederländer Henk Wolf und ich fingen eine kleine E-Mail-Diskussionsgruppe an. Die Reaktion war enorm; also gründeten wir im Frühjahr 1995 formell Lowlands-L. Henk wendete sich später anderen Tätigkeiten zu, während ich weiterhin die Lowlands-Fahne hochhielt, gefolgt von Hunderten aus aller Welt, die sich sonst mit ihren „außergewöhnlichen“ Interessen etwas isoliert fühlen würden.

Es handelt sich hierbei um eine zehnjährige Betätigung, die man als „echt Spitze“ beschreiben kann, eine glatte und doch alles andere als langweilige Fahrt, eine lange Kette von Lernerfahrungen, und es hat dabei einige Errungenschaften gegeben. Wir haben uns gut amüsiert und zugleich etwas dazu beigetragen, das weltweite Bewusstsein von Dingen zu stärken, die normalerweise unterschätzt und übersehen werden.

Und die nächsten zehn Jahre? Mit Lowlands-L geht es hoffentlich so weiter, selbst wenn einmal jemand anders das Steuerrad übernimmt. Ich hoffe weiterhin dabei mitzuhelfen, international auf die niedersächsische Sprache aufmerksam zu machen und diejenigen miteinander in Kontakt zu bringen, die sie benutzen, lernen und lieben, sie zu ermuntern, daran festzuhalten und sich gleichzeitig in Zusammenarbeit mit ihren Verwandten in anderen Teilen der niederen Lande zu bemühen, neue Wege und Horizonte anzustreben. Mit der Zeit werden sich hoffentlich Argwohn und Missbilligung hinsichtlich scheinbar neumodischer (d.h. nicht-traditioneller) Gebrauchsbereiche für das Niedersächsische verringern, Gebrauchsbereiche, die hinsichtlich „echter“, „etablierter“ Sprachen jeder akzeptiert.

Ich wünsche mir, dass mehr Menschen meiner norddeutschen Heimat an Bord kommen, nicht unbedingt um Mitglieder von Lowlands-L zu werden, sondern auch indem sie sich denen anschließen, die meine Bemühungen aufgeschlossen beurteilen, es nicht als verdächtig und aufrührerisch auffassen, wenn ich das Niedersächische (Niederdeutsche) als eigenständige Sprache unter anderen eigenständigen Sprachen im In- und Ausland betrachte und behandele, statt einer Tradition zu folgen, die sie als undeutendes Anhängsel des Hochdeutschen sieht und behandelt, einer Tradition, die die engsten Verwandten unserer Sprache als „ausländisch“ betrachten, sogar die niedersächsischen Mundarten der östlichen Niederlande, der Mennoniten und andere in aller Welt, besonders in Nordamerika gesprochenen Mundarten. Ich hoffe lediglich dabei mitzuhelfen, Alternativmethoden zu entwickeln und anzubieten, die das Weiterleben unserer Sprache gewährleistet, und zwar als eigenständige Sprache wie jede andere Sprache. Das Hochdeutsche soll dabei nicht die kalte Schulter bekommen. Ja, ich bin leidenschaftlich engagiert, wenn es sich um das sprachliche und kulturelle Erbe Nordeutschlands und der östlichen Niederlande dreht. Leidenschaftlich und liebevoll benutze ich das Niedersächsische auch schriftlich, aber ich liebe meine deutsche Muttersprache ebenfalls. (Ja, ich liebe eigentlich alle Sprachen.) Ich bin mir lediglich bewusst, dass die Sprachen der Niederlande und Belgiens mit den ursprünglichen Mundarten Norddeutschlands enger verwandt sind, und dass das Englische und das Schottische Nachkommen unserer gemeinsamen altsächsischen Ahnensprache sind, nicht des Deutschen. Wie kann man es als negativ auffassen, wenn jemand alte, von einander entfremdete Verwandte über künstlich gezogene Grenzen wieder miteinander in Verbindung bringen will? Es sollte doch sowohl dem Frieden als auch den Überlebenschancen der einheimischen Sprache Norddeutschlands dienlich sein!

Ich habe gegenüber allen Mitgliedern von Lowlands-L viel Bewunderung und Zuneigung entwickelt. Mir gefällt die Vielfalt unter ihnen und ihre aufrichtigen Bemühungen, Begrenzungen verschiedener Art zu überwinden. Sie haben mir in diesen zehn Jahren sehr viel gegeben, haben mir zudem beim Erlangen verständnisvollerer Reife geholfen. Zutiefst bin ich für jeden Tag dankbar, an dem ich ihre Stimmen höre, ihren Wissensdurst spüre, ihrer Begeisterung, ihrer Aufregung selbst über kleinste Entdeckungen, ihren recht häufig vorkommenden humorvollen Neckereien Zeuge sein kann. Jeder Ausdruck ihrer Wertschätzung ist für mich ein rührendes, kostbares Geschenk.

P.S.: Ein gewisser lästiger Lowlands-L-Typ war so frech, einen Entwurf dieser Einführung zu kritisieren, indem er meinte, er enthalte praktisch keine persönlichen Informationen. (Das ist doch unverschämt neugierig, nicht wahr?) Also folge ich dem Beispiel unseres Freunds Sandy Fleming, indem ich unten etwas über mich berichte, obzwar mittels Quantität über Qualität, mehr, als man wohl erwarten, erhoffen und ertragen kann:

Zwanzig äußerst wichtige Fakten über mich:

  1. Viele Amerikaner nehmen an, Reinhard sei mein Nachname und Hahn mein Vorname, und gelegentlich spricht man mich mit „Hans“ an, oder, wenn die Reihenfolge stimmt aber das Lesen etwas flüchtig ist, auch mal mit „Richard“. Hin und wieder schreibt jemand „Rheinhardt“, anscheinend weil dies „so richtig deutsch“ aussieht und somit für den Schreibenden befriedigender ist.

  2. Mir sind bisher drei Spitznamen gegeben worden: „Professor“, „Bean King“ („Bohnenkönig“) und „Parrot Head“ („Papageienkopf“) – und zwar in dieser zeitlichen Reihenfolge – doch ist deren Gebrauch nur wenigen ausgewählten Vertrauten genehmigt.

  3. Vor der Pubertät war ich ein Mückenmagnet, und jetzt bin ich mückenstichsicher.

  4. Ohne jemals mein Haar gefärbt zu haben, habe ich alle möglichen Haarfarben außer schwarz gehabt, habe (ohne gefärbte Kontaktlinsen) mindestens drei Augenfarben gehabt, in einer Phase sogar „persisch“ aussehende zusammengewachsene Augenbrauen.

  5. Vom Lesen während des Fahrens wird mir übel, aber auf dem Wasser werde ich nie seekrank.

  6. Ich kann meine Zunge nicht rollen.

  7. Mein Lieblingsbaum ist die Trauerweide, meine Lieblingsblumen sind Blauregen, Pfingstrose, Rose, Lotusblume und Seerose, und mein Lieblingshund ist der Foxterrier, kurz gefolgt von Sheltie und Promenadenmischung.

  8. Ich mag Konzerte, Tanz und Theater, kann aber die meisten Arten von Opern (besonders Wagnersche) nicht ausstehen.

  9. Mein mexikanisches Lieblingslied ist jedes, in dessem Text die Wörter „corazón“ (Herz) und „sentimiento“ (Gefühl, Zuneigung, Reue) fehlen.

  10. Ich habe die beiden am tiefsten gelegenen Stellen der Erde besucht: das Tote Meer (Israel und Jordanien) und die Turfan-Niederung (Ostturkestan, Xinjiang, Zentralasien).

  11. Auf einer meiner Fernreisen aß ich Hundefleisch, nahm währenddessen jedoch an, man habe mir Rindfleisch vorgesetzt.

  12. In Ostturkestan (Xinjiang) stolperte ich einmal über eine Mumie, wortwörtlich.

  13. Meiner Meinung nach gibt es sieben Erdteile: Afrika, die Antarktis, Australien, Eurasien, Grönland, Nordamerika und Südamerika. Dieser Tage sehe ich Grönland meistens als ein amerikanisches Land. Und, nebenbei gesagt, habe ich eine echte Schwäche für Grönland und das grönlandische Volk.

  14. Ich finde die Zusammenstellung von Schwarz und Gelb besonders alarmierend.

  15. Ich kenne das einzige todsichere Heilmittel für den Schluckauf. (Ja, doch! Das muss man mir glauben!)

  16. Ich habe viel über hässliche Sprachen gehört, bin einer solchen jedoch noch nie begegnet.

  17. Ich kann stundenlang glücklich und zufrieden irgendeiner Sprache lauschen, selbst einer mir unverständlichen.

  18. Ich weigere mich, auf Fragen des Typs „Wie viele Sprachen beherrschen Sie?“ zu antworten.

  19. Menschliche Eigenschaften, die ich am meisten bewundere, sind Mitgefühl, Kreativität, nichtmanischer Humor, Schnurrigkeit und ähnliches, echten Mut Erforderndes.

  20. Eine meiner verbleibenden Ambitionen ist es, die Kunst des kreativen Schweigens zu beherrschen (aber leider hapert es dabei bisher noch mit dem Schweigen).

Reinhard
2005


© 2011, Lowlands-L · ISSN 189-5582 · LCSN 96-4226 · All international rights reserved.
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